Da - Do - Dou
is Bayern in der Mitt

Darlegung über die stammesmäßige Lage der Gemeinde Marxheim

Von Karl Reinhard

Da - do - dou

Der Freistaat Bayern besteht bekanntlich aus den Stämmen Bayern, Schwaben und Franken. Den
      obigen Slogan habe ich schon seit ca. 25 Jahren ausgegeben. Dabei hat man mich zuweilen missverstanden und gemeint, damit müsste es sich um die geografische Mitte Bayerns handeln. Dies ist jedoch nicht der Fall. Dieser Mittelpunkt befindet sich jedoch ganz wo anders. Dass damit die stammesmäßige Mitte gemeint ist, geht schon aus den drei dialekttypischen Worten Da- (schwäbisch) Do- (bayrisch) Dou- (fränkisch) hervor. Nirgends wo anders treffen auch bayrische, schwäbische und fränkische Eigenheiten so aufeinander wie in den Orten die die Einheitsgemeinde Marxheim bilden. Wie dies zustande kam, und was es damit auf sich hat, wird nachfolgend geschildert.

Als die Römer im 5. Jahrhundert n. Chr. ihre eroberten Gebiete nördlich der Alpen räumten und sich auf Italien zurückzogen, wurden die germanischen Stämme unruhig, und es geschah das, was in der Geschichtsschreibung Völkerwanderung genannt wird. Die Alamanen waren allerdings schon früher dran. Im Jahre 222 n. Chr. durchbrachen sie erstmals den römischen Grenzwall Limes. Sie siedelten sich ab etwa 260 n. Chr. für dauernd im heutigen Bayrisch-Schwaben, Württemberg, Baden, Elsass, Vorarlberg und in Teilen der Schweiz an.

Die Franken die sich bisher in Ostfrankreich und in Belgien niedergelassen hatten, besetzten 475 n. Chr. das bisherige römische Trier. Sie zogen schließlich weiter ins heutige Stammland Franken. Ihre politische Untergliederung waren Gaue mit einem Gaugrafen an der Spitze. Ihr südlichster Gau war der Sualafeldgau der sich vom heutigen Schwabach bis zur Donau erstreckte. Erster Gaugrafensitz war Gosheim. 1035 wird erstmals als Gaugraf ein Luitgar von Lechsgemünd genannt. Seine Burg befand sich etwa 1,5 km südwestlich von Marxheim auf einer Anhöhe über der Lechmündung. Was einen fränkischen Gaugrafen veranlasste, seinen Herrschaftssitz ausgerechnet an den südlichsten Punkt des Machtbereiches zu verlegen, darüber kann man rätseln. Wahrscheinlich war es die Aussicht auf fette Einnahmen durch Mauterhebung für die Schifffahrt auf der Donau. Genau dies aber war für einen späteren Nachkommen ein Verhängnis. Den Kaufläuten der freien Reichsstadt Regensburg war diese Maut zu hoch. Sie organisierten deshalb ein Heer und zerstörten im Jahre 1248 die Burg. Der Graf war daher gezwungen nach Graisbach zu übersiedeln. Sie nannten sich forthin auch Grafen von Lechsgemünd und Graisbach.

Im 14. Jahrhundert regierte hier ein Graf Gebhart, der auch Bischof von Eichstätt war. Als solcher lebte er natürlich im Zölibat und hatte deshalb auch keine Nachkommenschaft. Auf Grund früherer verwandtschaftlicher Bindungen ist die Grafschaft, nachdem sie durch Abtretungen und Verpfändungen schon wesentlich kleiner geworden war, dem Hause Wittelsbach zugefallen. Im Jahre 1504 wurde, um zwei verwaiste Wittelsbacher Prinzen standesgemäß abfinden zu können, das Fürstentum Pfalz-Neuburg geschaffen. Ihm wurde die Grafschaft Lechsgebünd-Graisbach zugeschlagen.

Schließlich kamen auch noch die Bajuwaren die sich bisher in Böhmen niedergelassen hatten, und besiedelten die heutige Oberpfalz, Niederbayern und Oberbayern bis zum Lech. Jenseits des Lechs hatten sie sich ja schon die Alamanen (die späteren Schwaben) niedergelassen.

Vor rd. 100 Jahren verfasste Pfarrer Wilibald Herlein eine Chronik des nahegelegenen Dorfes Rohrbach, das in der Zeit der fränkischen Landnahme zum Sualafeldgau gehörte. Er stellte hierin fest, Ortsanlage und Baustil sind fränkisch. Wie Ausgrabungen beweisen, waren die ersten Gebäude der Ur-Siedler, noch einfach und primitiv. Ortsanlage und Baustiel haben sich erst später entwickelt. Wenn ich mich erinnere, wie die Dörfer vor rund 50 Jahren bei uns ausgesehen haben, -also noch vor dem Bauboom der Nachkriegszeit- so kann ich gleiches auch für uns feststellen.

Zu Anfang er 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts wirkte in Schopflohe (im Ries) ein Lehrer mit Namen Eduard Nübling der sich um die Erforschung des schwäbischen Dialektes verdient gemacht hat. Er stellte fest, dass mit der Mündung des Lechs, der Dialekt hier bayrisch jenseits schwäbisch nicht zu Ende ist. Der schwäbische Dialekt setzt sich nördlich der Donau mit den Orten Lechsend und Graisbach sowie weiteren Orten des Altlandkreises Donauwörth und dem Ries fort. Für das Gebiet östlich davon, so etwa von der Donau bis zur Altmühl machte er als Dialekt Nordbayrisch aus. Hiermit bin ich als Eingeborener dieses Gebietes nicht ganz einverstanden. In Wirklichkeit machen wir bereits starke Anleihen bei den Schwaben.

Beispiele:  Guazli     = Bonbon
Blatzli = Plätzchen (Weihnachtsgebäck)
Schafli = Schäfchen

In den weiter nördlich gelegenen Orten Gansheim, Burgmanshofen und Übersfeld kommt man ohne Verwendung von fränkischen Worten nicht aus.

Beispiele:  Broud    = Brot
Dou = da

In Wirklichkeit spricht man bei uns einen vermischten Dialekt, der aber überwiegend bayrisch geprägt ist. In Lechsend und Graisbach spricht man nach wie vor rein schwäbisch.

Wenn ich nun erforschen sollte, was die starke Hinwendung zum Bayrischen, in den östlichen und nördlichen Orten des Gemeindegebietes, nicht nur beim Dialekt, sondern auch in Sitte und Brauchtum bewirkt hat, so wäre ich damit überfordert. Es wird aber wohl so gewesen sein, dass die frühe Unterwerfung unter bayrische Oberhochheit (bei Graf Gebhart's Tod und Fürstentum Pfalz-Neuburg) dazu beigetragen hat. -Marxheim war Sitz eines Pfalz-Neuburgischen Vogts, Schweinspoint und Gansheim je einer Pfalz-Neuburgischen Hofmark-. Mehr noch, Stammesgrenzen waren ja nie starr; so ist sich die Bevölkerung ganz einfach näher gekommen.